Wer in die Schweiz einwandert und hier als Tierärztin oder Tierarzt tätig sein will, kommt nicht um sie herum: Die Medizinalberufekommission (MEBEKO) stellt sicher, dass ausländische Fachkräfte, die in der Schweiz arbeiten möchten, die Qualitätsstandards ihrer Schweizer Kolleginnen und Kollegen erfüllen. Und dies nicht nur in der Tiermedizin – die MEBEKO ist zuständig für alle universitären Medizinalberufe; also auch für Humanmedizinerinnen, Zahnärzte, Chiropraktoren oder Apothekerinnen.
Seit Sommer 2024 präsidiert Thomas Lutz diese Kommission. Der Professor für Veterinärphysiologie vom Zürcher Standort der Vetsuisse-Fakultät ist schon seit 2012 Mitglied dieses Gremiums. Während dieser Zeit hat die Kommission rund 50‘000 ausländische Diplome anerkannt, darunter jene von knapp 2‘000 Tierärztinnen und Tierärzte. Das entschärfe auch das Problem des Fachkräftemangels, so Lutz: «In den letzten Jahren haben wir jeweils mehr ausländische Abschlüsse anerkannt, als wir eigene Abschlüsse hatten». Noch extremer sei dieses Verhältnis in der Humanmedizin. «Dort kommen 2-3 ausländische Diplome auf einen inländischen Abschluss.» Die Anerkennung von Diplomen aus EU/EFTA-Staaten und aus dem Vereinigten Königreich ist ein rein formeller Prozess. Aufgrund von internationalen Übereinkommen werden diese Diplome im Grundsatz anerkannt, so Lutz. «Bei allen anderen Diplomen wird jedes Gesuch einzeln aufgrund des eingereichten Dossiers geprüft und individuell entschieden, unter welchen Bedingungen das eidgenössische Diplom erworben werden kann.» Dies ist aufwendig. Zusammen mit der gestiegenen Zahl an Gesuchen hat dies in letzter Zeit zu einem «Anerkennungs-Stau» geführt, wie verschiedene Medien berichteten. Dies betrifft auch die Registrierung von Diplomen, da vor der Aufnahme einer Tätigkeit in einem Medizinalberuf ein ausländisches Diplom zwingend registriert werden muss. Diesen Rückstand bestätigt auch Lutz: «Grund ist vor allem ein personeller Engpass, der zusammenfiel mit der erhöhten Zahl eingereichter Gesuche. Viele Gesuche werden mit grosser Verspätung behandelt, was verständlicherweise zu Unmut führt. Besserung ist in Aussicht, aber das Aufarbeiten der Rückstände wird noch einige Monate dauern. Eine verstärkte Digitalisierung soll ebenfalls dazu beitragen.»
Mit seinem Engagement in der Kommission erhält Thomas Lutz nicht nur Einblick in die Prozesse der Bundesverwaltung, sondern auch in die Herausforderungen der Nachbardisziplinen der Veterinärmedizin. «Die Erfahrungen der Humanmedizin haben uns beispielsweise geholfen, Kinderkrankheiten beim neuen Format der eidgenössischen Prüfungen weitgehend zu vermeiden.» In gewissen Fragen könnten die Grossen aber auch von den Kleinen lernen. «In der Veterinärmedizin laufen mache Entscheide geradliniger, da wir nur eine Fakultät haben.» Die MEBEKO ist auch nah an der Politik: Sie nimmt Stellung zu fachspezifischen und qualitätsbezogenen Aspekten der Aus- und Weiterbildung und kann unter anderem dem Bundesrat Vorschläge zur Erhöhung der Qualität in Aus- und Weiterbildung unterbreiten. Lutz ist stolz, dass die Veterinärmedizin erstmals den Präsidenten stellen kann: «Wir haben eine deutliche bessere Visibilität und können uns besser einbringen.» Und grinsend fügt er hinzu: «Nun haben alle gemerkt, dass es uns gibt…»
Dieser Artikel erschien im Original in der VetsuisseNews 2/25.