Qualität sichern

Ein Jahr nach der Kritik im Bericht der European Association of Establishments for Veterinary Education (EAEVE) werden die in der Folge ergriffenen Massnahmen sichtbar. Dies macht zuversichtlich für die Re-Visitation von Mitte Mai 2026.

von Olivier Rüegsegger

«Nichteinhaltung der Normen 3.1.5, 4.6 und 4.9». Das Verdikt des vor einem Jahr erschienenen Visitation Reports der European Association of Establishments for Veterinary Education (EAEVE) war deutlich, der Entscheid des Komitees unausweichlich: Die Akkreditierung der Vetsuisse-Fakultät wurde ausgesetzt. Der Vetsuisse-Rat, das oberste strategische Organ der Fakultät, hat in der Folge die  Geschäftsleitung mit der Elimination der genannten Defizite beauftragt.

Das neue Schlachthofpraktikum

Der Bericht stellte eine unzureichende Ausbildung in Lebensmittelsicherheit und -qualität fest (Norm 3.1.5); die Studierenden seien mit der  erhaltenen Ausbildung nicht ausreichend auf den Arbeitsalltag vorbereitet. Die Lehrkommission unter der Leitung von Horst Posthaus hat in der Folge in Rekordzeit das Curriculum überarbeitet, Lektionen umgeplant und – als sichtbarste Massnahme – das neue  Schlachthofpraktikum aufgegleist. Bereits der nächste Studienjahrgang wird dieses obligatorische Praktikum im solothurnischen Oensingen absolvieren.

Ampelsystem für Sicherheitszonen

Die EAEVE stellte eine unzureichende Umsetzung und Überwachung der Biosicherheitsmassnahmen an beiden Standorten fest (Norm 4.9) fest. Die Expert*innen-kommission, die sich der Beseitigung dieser Defizite gewidmet hat, wird in den nächsten Wochen und Monaten einen ganzen Strauss von Massnahmen umsetzen. Augenfällig wird die neue Markierung der Biosicherheitsbereiche sein: Basierend auf einem durchgehenden Geländekonzept werden die unterschiedlichen Bereiche künftig mit einer den Ampelfarben angelehnten Signaletik markiert.
Mitarbeitende und Studierende werden gleichermassen im korrekten Verhalten geschult; das erfolgreich abgeschlossene Training wird attestiert. Die neu gegründete Vetsuisse-Biosicherheitskommission stellt künftig die Einhaltung der Biosicherheit an der Fakultät sicher. Den grössten Beitrag zur Einhaltung dieses Standards leisten am Schluss die Mitarbeitenden und Studierenden auf dem Fakultätsgelände: Das Befolgen der Sicherheitsrichtlinien dient nicht der Akkreditierung; das Verhindern der Ausbreitung von Erregern schützt die bei uns zirkulierenden Tiere, uns selbst und unsere Nächsten.

Umbauten dauern länger

Die unzureichenden Isolationseinheiten (Norm 4.6) liessen sich nicht auf die Schnelle ersetzen. Zwar konnten durch entsprechende Verbesserung in den Prozessen einige Defizite beseitigt werden, besonders in Bern sind jedoch bauliche Massnahmen nötig. Der Grosse Rat des Kantons Bern hat zeitgleich mit dem Erscheinen des Visitation-Reports einen Kredit über 18 Millionen Franken für neue Isolationseinheiten gesprochen. Diese sollten ab 2027 bezugsbereit sein. Dass dies erst nach der geplanten Re-Visitation sein
wird, sollte kein Problem darstellen. Bauliche Massnahmen, die auch in Zürich zur Verbesserung der Biosicherheit anstehen,dauern  etwas länger. Das weiss auch die EAEVE.

Gute Nachrichten gibt es bezüglich der Kritik an den Einrichtungen für die Studierenden: In Bern konnten jüngst die neuen Räumlichkeiten an der Güterstrasse in Betrieb genommen werden – neben dem Skills Lab stehen dort weitere Arbeitsplätze für Studierende zur Verfügung. Auch die «Mensa» erhält in den nächsten Monaten eine Auffrischung.

Hohe Qualitätsansprüche beibehalten

Vetsuisse-Dekanin Gertraud Schüpbach ist überzeugt, dass mit den ergriffenen Massnahmen die Fakultät wieder definitiv akkreditiert werden
kann. Und das sei relevant: Eine europaweit abgestimmte Ausbildung ermögliche die gegenseitige Anerkennung der Studienabschlüsse. Für die Fakultät gehe es dabei um nichts mehr als die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Abgänger*innen. Doch auch unabhängig vom Ausgang der Re-Visitation habe der Prozess eine gute Seite: «Qualitätssicherung hat das einfache Ziel, die Qualität zu sichern. Wir haben in den letzten Monaten viel für die Verbesserung der Qualität unserer Ausbildung und für die Sicherheit unserer Einrichtungen getan.» Nun bleiben noch  wenige Monate, um die Massnahmen zu etablieren.

VetsuisseNews

Dieser Artikel erschien im Original in der VetsuisseNews 3/25.

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