Hundetraining an der Kleintierklinik Bern

Julia Dourado arbeitet als Tiermedizinsche Praxisassistentin seit rund 10 Jahren an der Kleintierklinik Universität Bern. Nach einigen Jahren Intensivpflegestation wechselte sie in die Chirurgie Abteilung. Seit 2020 ist Julia Dourado selbstständige Hundetrainerin, und im Jahre 2021 wurde eine Tierspital-Hundetrainings-Gruppe gegründet.

Man könnte meinen, dass die Mitarbeitenden an der Kleintierklinik der Universität Bern, wie zum Beispiel die Tierärzt*innen und Tiermedizinische Praxisassistent*innen (TPA), sicherlich nicht mit ihren Hunden ins Training zu gehen brauchen. Doch auch trotz breitem tiermedizinischem Fachwissen sind auch die kompetenten Mitarbeitenden oft froh um Unterstützung in Sachen Hundeerziehung. 

Und genau da komme ich ins Spiel. Ich hegte schon lange den Wunsch einmal intensiver mit Hunden zu arbeiten als nur im alltäglichen Beruf einer TPA. So machte ich die zweijährige Ausbildung zur Hundetrainerin. Bald schon kamen die ersten Ideen und Anstösse für ein Gruppentraining an der Kleintierklinik Bern, da es doch einige Interessierte gab, welche ihren Hunden gerne mehr Abwechslung und Training im Alltag bieten wollten. 

Meine Philosophie: Der Hund handelt im Grunde genommen immer instinktiv, er macht das, was ihm seine Besitzer zeigen (oder eben auch nicht zeigen) und das sind sich viele nicht bewusst. Natürlich muss man dem Hund Kommandos beibringen, damit Mensch und Hund irgendwie durch den Alltag kommen. Aber eine gesunde Mensch-Hund-Beziehung basiert auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Vertraut der/die Besitzer*in dem eigenen Hund nicht, wird auch der Hund kein Vertrauen zurück schenken. Hunde sind Rudeltiere, nur können die meisten Menschen nicht mehrere Hunde halten, weshalb eben dann auch der Mensch zum Rudelmitglied wird. Beobachtet man z.B. ein Rudel Wölfe, wird eine Gruppe niemals von einem unerfahrenen und unsicheren Tier geführt. Wölfe haben ein hochentwickeltes Sozialverhalten und leben in einer sogenannten Sozialstruktur. Dort ist klar definiert, wer welche Aufgaben hat. In einer Mensch-Hund-Beziehung ist das leider oftmals nicht der Fall, ohne Struktur, gegenseitigem Vertrauen und Sicherheit geht absolut gar nichts. Hunde brauchen eine konsequente Führung, eine ruhig-bestimmte Körpersprache und einen respektvollen Umgang. Nur so kann ein harmonisches, auf Vertrauen und Respekt basierendes, Zusammenleben funktionieren.

Eigentlich trainiert man den Menschen, nicht den Hund.

Menschen, die mit ihren Hunden bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben, sind geprägt. Ein Beispiel: «Mein Hund wurde an dieser Kreuzung von einem Fahrrad angefahren. Nun reagiert mein Hund an dieser Kreuzung jedes Mal panisch – egal ob dort ein Fahrrad kommt oder nicht.» Ich erkläre: Der Hund hat schon längst vergessen, dass er dort einmal von einem Fahrrad angefahren wurde, auch wenn die Besitzerin überzeugt ist, dass er es noch ganz genau weiss. Das dies zum Zeitpunkt des Unfalls ein grosser Schock für Besitzerin sowie Hund war, steht nicht zur Debatte. Wichtig ist jetzt aber zu unterscheiden, dass es die Besitzerin ist, die sich noch genau daran erinnern kann, was damals passiert ist und nicht der Hund. Und weil sich die Besitzerin jedes Mal wieder daran erinnert und diese Ängstlichkeit/Unsicherheit ausstrahlt, wirkt sich das auf das Verhalten des Hundes aus. 

Hunde spüren jede unserer Gefühlslagen, sie müssen emotional sehr viel verarbeiten.

Der Hund tickt aus, weil die Besitzerin gewisse alarmierende Signale übermittelt. Sie sagt ihm mit ihrer Körpersprache: Pass auf, jetzt gleich passiert etwas! Ich kann Ihnen versichern, würde eine wildfremde Person, die diese Geschichte nicht kennt, mit dem Hund an der genannten Kreuzung vorbei spazieren, würde es sehr wahrscheinlich nicht passieren. Der Hund entscheidet also aufgrund des Verhaltens der Besitzerin, wie er die nächste Situation handhaben soll.  

In den meisten Fällen haben die Besitzer Mitleid mit dem Tier und streicheln es, bestätigen das ängstliche Verhalten also mit netten Worten und «klick», der Hund hat sich ein Bild gemacht. Er weiss jetzt also, dass es richtig war so zu reagieren, das hat ihm ja seine Besitzerin bestätigt (ungewollt, aber aus Mitleid). Was hätte man Anstelle tun sollen - bestrafen? Nein, natürlich nicht, der Hund hat ja instinktiv gehandelt, das wollen wir keinesfalls bestrafen (das Wort «bestrafen» finde ich persönlich sowieso unpassend. Einen Hund sollte man nie mit Worten o.a. «bestrafen», das ist aber ein anderes grosses Themengebiet). Eine gute Handlungsmöglichkeit wäre gewesen, dem Hund Ruhe und Raum zu geben – ohne Berührung, ohne Worte – Sicherheit auszustrahlen. Ab hier kann ich für Mensch und Hund eine Unterstützung sein. Denn das ist es, was mir Freude macht; zu helfen eine ruhige, vertraute und respektvolle Umgebung zu kreieren. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man ein tiermedizinisches Fachwissen hat oder nicht, zumindest spielt es dem Hund keine Rolle.  

Hunde übernehmen unsere Energie, was oftmals zu Schwierigkeiten in der Hundewelt führt.

Nun zurück zum Thema Training: In der Regel finden ein bis zweimal pro Monat Gruppentrainings statt, es ist eine gute Abwechslung zum doch eher eintönigen Alltag unserer Bürohunde. Man darf nicht vergessen, wie viel die Hunde an Energie wegstecken müssen, wenn sie mit uns auf der Arbeit sind. Ich biete aber auch Einzeltrainings an. «Ich interessiere mich besonders für Angst- und Aggressionshunde, jene Hunde, welche die Menschen am wenigsten verstehen können.» Aber auch mit ganz anderen Problemen darf man zu mir ins Training kommen. Vor mehr als drei Jahren habe ich mit Hilfe von Laura Zahnd (TPA) einen neuen Kurs (praktisches Arbeiten – Umgang mit Hund und Katze – Stress-, Aggression und Angstverhalten) für Studierende der Vetsuisse-Fakultät Bern ins Leben gerufen. Der Kurs wurde offiziell ins Curriculum aufgenommen. Dort lernen die Studierenden die Körpersprache von Hunden und Katzen richtig einzuordnen und so heikle Situationen zu meiden. Unser Motto: Weniger Stress für Mensch und Tier! 

Wenn der Mensch den Hund nicht versteht - wie soll dann eine angemessene, stressfreie Umgebung geschaffen werden?

Nun wissen wir, ein Hundetraining kann jede*r besuchen, auch mit tiermedizinischem Hintergrundwissen. 

Möchten Sie gerne mehr über mich erfahren, haben Sie ein Anliegen bezüglich Hundeerziehung, oder möchten Sie das Gruppentraining besuchen? Dann wenden Sie sich an info@mydogtraining.ch oder besuchen Sie die Website www.mydogtraining.ch, ich würde mich freuen von Ihnen zu hören.

Vetsuisse-News

Dieser Artikel erschien im Original in der VetsuisseNews 1/24.

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