Antidepressiva-Einnahme bei Veterinärmedizinstudierenden in der Schweiz

Eine Gruppe von Veterinärmedizinstudierenden der Vetsuisse-Fakultät in Zürich hat sich im Rahmen des Moduls «Epidemiologie und Biostatistik» mit dem Thema «Antidepressiva-Einnahme bei Veterinärmedizinstudierenden in der Schweiz» beschäftigt. Die Herausforderungen im Bereich Mental Health betreffen nicht nur uns, sondern werden auch international in ähnlicher Weise beobachtet und beschrieben.

Autorin: Claudia Holderegger
Mitwirkende: Prof. Dr. A. Dreyfus, M. Hunkeler, E. Immordino, I. Joergensen, L. Just, J. Kissling, E. Lardi, A. Lo Iudice

Unsere Ausbildung zu Tierärztinnen und Tierärzten kann in vielen Phasen unseres Studiums sehr anspruchsvoll sein, darüber waren wir uns alle einig. Die vielen Prüfungen am Semesterende, die unzähligen Vorlesungen und Projekte oder Testate während dem Semester können einem schon an seine Grenzen bringen. Deshalb wollten wir mit einer kleinen Studie herausfinden, ob man unseren Stress und unser, zum Teil gestörtes, Allgemeinbefinden wissenschaftlich belegen kann. Zunächst ging es darum, eine Forschungsfrage zu erstellen. Unsere Entscheidung fiel auf: Wie hoch ist die Prävalenz der Antidepressiva-Einnahme bei Veterinärmedizinstudierenden in der Schweiz? Danach haben wir mittels eines Fragebogens unsere Daten erhoben. Wir versandten ihn per E-Mail an die Studierenden der Vetsuisse-Fakultät der Universitäten Bern und Zürich – der Reminder erfolgte via WhatsApp. Dabei erfragten wir unter anderem: Antidepressiva-Einnahme, Studienstandort, Alter, Jahreskurs, Wohnweise (allein, mit Partner:in, WG oder bei Eltern), Herkunftsort vor Studienbeginn (Stadt vs. Land), und Gefühlsstatus während Lern- und Vorlesungszeiten. Dabei konnten wir 432 ausgefüllte Fragebogen für unsere Statistik verwenden.

Abbildung 1: Antidepressiva Einnahme Prävalenz an der Vetsuisse-Fakultät in Bern und Zürich nach Jahreskurs (2026). Prävalenz insgesamt: 6.7% (95% CI 4.54-9.49).

Fast 7% der 432 Veterinärmedizinstudierenden gaben an, zum jetzigen Zeitpunkt Antidepressiva einzunehmen. Diese Prävalenz stieg auf 8% der Befragten bei der Frage, ob Antidepressiva jemals für länger als 6 Monate eingenommen worden sind. Entspricht diese Prävalenz dem Bevölkerungsdurchschnitt oder nehmen Studierende der Veterinärmedizin mehr Antidepressiva ein? Anscheinend nehmen 2-3% der Allgemeinbevölkerung derselben Altersgruppen Antidepressiva (Medikamente - Einnahme - Sucht Schweiz). Veterinärmedizinstudierende nehmen also häufiger Antidepressiva zu sich als der Durchschnitt. Zwischen den Studienstandorten Bern und Zürich konnten wir keinen statistisch signifikanten Unterschied der Antidepressiva-Einnahme erkennen (p ≥ 0.05). Jedoch gab es in der univariablen Analyse eine statistisch signifikante Assoziation (p ≤ 0.05) zwischen Antidepressiva-Einnahme und Alter, Herkunftsort vor Studienbeginn, Wohnweise während des Studiums und dem Jahreskurs (Abb. 1) In der multivariablen Analyse (dort schaut man wie alle diese Faktoren gemeinsam ein Ergebnis beeinflussen – und versucht herauszufinden, welcher Faktor wie stark wirkt, während die anderen konstant gehalten werden), wurde ersichtlich, dass v.a. der Jahreskurs, der Herkunftsort vor Studienbeginn und die Wohnweise eine wichtige Rolle bei der Antidepressiva Einnahme spielten. Studierende, die in der Stadt (> 20'000 Einwohner) aufgewachsen sind greifen 3,8-mal eher zu Antidepressiva (11.4%) als Studierende, die auf dem Land (< 5'000 Einwohner) aufgewachsen sind (3.6%) (p ≤ 0.05). Studierende, die in einer Wohngemeinschaft oder im Studentenwohnheim leben, verwenden 5-mal eher Antidepressiva (10.7%) als die Studierenden die mit der Familie (2.7%) zusammenleben (p ≤ 0.05). Studierende vom 2. Jahreskurs nehmen 6,5-mal eher Antidepressiva ein als solche vom 1. Jahreskurs (p ≤ 0.05). Zudem haben wir verglichen, wie sich die Studierenden während der Vorlesungszeit (Abb. 2) und während der Lern-/Prüfungsphase (Abb.3) fühlen. Wir hatten sie gefragt, wie oft sie sich niedergeschlagen, antriebslos, hoffnungslos oder ohne Motivation in diesen 2 Phasen gefühlt haben. Negatives Empfinden hat während der Lern-/Prüfungsphase deutlich zugenommen.

Spannend war auch zu sehen, dass die Studierenden sich über ein erweitertes Mental Health Angebot freuen würden – das traf auf 60 (70%) der Studierenden zu. Die konkreten Vorschläge der Studierenden ebenfalls zu erfragen, wäre spannend gewesen, sprengte aber unseren Fragebogen. Ausserdem wollten wir wissen, ob die Studierenden sich schon einmal psychologische Hilfe geholt haben oder es in Erwägung gezogen haben, was 58% bejahten (Abb. 4). Insgesammt war es sehr spannend zu sehen, wie sich unser Studium auf unser Wohlbefinden auswirkt. Über dieses Thema sollte offen gesprochen werden. Wenn alles aussichtslos erscheint oder Gedanken und Gefühle belasten, sollte nicht gezögert werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Anlaufstellen

Die Universität Bern stellt ihren Angehörigen (Studierende und Mitarbeitende) ein breites Beratungsangebot zur Verfügung.

Der Beratungswegweiser vermittelt Informationen über Angebote, Beratungs- und Anlaufstellen der Universität und Möglichkeiten des Vorgehens.

beratungswegweiser.unibe.ch

VetsuisseNews

Dieser Artikel erschien im Original in der VetsuisseNews 1/26.

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