Die Erleichterung steht allen Anwesenden ins Gesicht geschrieben. Stéphane Martinot und Massimo Castagnaro erlösen die Vetsuisse-Fakultät am 20. Mai 2026 um 12:13 Uhr aus ihrer anderthalbjährigen Anspannung: «Wir freuen uns festzustellen, dass die grösseren Mängel behoben wurden und die kleineren auf einem wirklich guten Weg sind, behoben zu werden.» Die befreienden Worte runden die zweitägige Re-Visitation der EAEVE ab. Die beiden Experten haben mit einem Augenschein vor Ort die Umsetzung der Auflagen überprüft, welche ihre Vorgänger im Herbst 2024 der Fakultät für eine weitere europäische Akkreditierung gestellt hatten (vgl. Artikel).
«Wir müssen formell noch den schriftlichen Entscheid des Komitees abwarten», relativiert Gertraud Schüpbach, Dekanin der VetsuisseFakultät im Anschluss an die Abschlusspräsentation. Dieser folgt aufgrund des Sitzungsplans der ECOVE erst im Dezember. Dass dies in ihren Augen nur eine Formalität ist, sieht man ihrem Strahlen an: «Ich habe dieses positive Urteil zwar erwartet, aber auch mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.» Schüpbach hat gemeinsam mit Thomas Lutz, dem Verbindungsmann zur EAEVE, die beiden Offiziellen seit Montag über den Campus in Bern, zum Schlachthof nach Oensingen und durch die Fakultät in Zürich begleitet. Die Stimmung sei sehr entspannt gewesen, erzählt Lutz: «Wahrscheinlich ist es uns gelungen, in unserem Self-Report klar aufzuzeigen, dass wir die Auflagen der EAEVE ernst genommen und die nötigen Massnahmen ergriffen haben.»
«Alles war sehr effizient»
Martinot bedankt sich bei der Fakultät für die Organisation der SiteVisit: «Alles war sehr effizient». Besonders gefreut habe sie, dass auch die Studierenden mit der Umsetzung der Massnahmen zufrieden seien. Sowohl in Bern als auch in Zürich trafen die beiden auf angehende Tierärzt*innen. Michelle Mühlemann, Studentin im 3. Jahreskurs in Bern, hat das Treffen als «sehr entspannt und wohlwollend» empfunden. «Die beiden Besucher waren an unserer ehrlichen Meinung interessiert.» Das Gespräch beschränkte sich nicht nur auf das Schlachthofpraktikum und den vor 18 Monaten kritisierten Platzmangel. «Beim Mittagessen haben sie uns sogar zur Bewerbung um die studentischen Sitze im EAEVE-Gremium motiviert».
Auch wenn nun bis zur formellen Sitzung im Dezember der Akkreditierungsstatus auf «pending» stehenbleibt – die europäische Anerkennung der Vetsuisse-Abschlüsse ist nicht mehr gefährdet. Das freut Studentin Mühlemann: «Ich empfinde dies als Türöffner für die Welt. In einer Zeit der zunehmenden Isolation erweitert diese Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit, zum Austausch und zum Wissenstransfer unseren Horizont. Die Bemühungen, die Mängel zu verbessern, zeigen auch, dass sich unsere Universitäten um eine fundierte und gute Ausbildung bemühen.»