Drei Kampfjets im Jahr

Die Universität Bern finanziert sich mit Mitteln vom Kanton, vom Bund, von Firmen, von Kund*innen der Kliniken, von Studierenden, von der EU oder von Stiftungen. Unterschiedliche Quellen könnte man meinen: Doch mehr als drei Viertel kommt vom Staat.

von Olivier Rüegsegger

Neunhundertvierundneunzig Millionen fünfundvierzigtausend Franken. Eine knappe Milliarde. So viel stand der Universität Bern im Jahr 2025 zur Verfügung1. Die Universität Zürich wirtschaftete gar mit 1,7 Milliarden. Dazu kommen weitere Leistungen der Standortkantone: So stellt der Kanton Bern der Universität rund 130 Gebäude zur Verfügung – allein für die Veterinärmedizin entspräche dies einem jährlichen Gegenwert von etwa 11,5 Millionen Franken2.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Finanzierung von Hochschulen. Er tut dies exemplarisch am Beispiel der Universität Bern, speziell der Vetsuisse-Fakultät. Er verzichtet bewusst auf Vergleiche von Standorten oder auf Vergleiche konkreter Departemente oder Institute.

Ein Drittel kommt vom Kanton Bern

Mit Ausnahme der ETH-Bereiche und den wenigen privaten Hochschulen sind Universitäten in der Regel Institutionen der jeweiligen Standortkantone. So finanziert der Kanton Bern seine Universität jährlich mit knapp 350 Millionen Franken. Auf den ersten Blick ist der Trägerkanton damit der grösste Geldgeber.

Doch auch andere Kantone tragen mit knapp 128 Millionen wesentlich zum universitären Budget bei – dies als Gegenleistung für den Zugang ihrer Studierenden zum Berner Hochschulangebot. Für eine Studentin in einem medizinischen Studiengang fliessen so für das erste und zweite Studienjahr je 24‘000 Franken nach Bern, ab dem dritten Studienjahr sogar das Doppelte.

Auch wenn der Bund mit dem ETH-Bereich seine eigenen Hochschulen besitzt, beteiligt er sich mit über 100 Millionen Franken am jährlichen Budget der Universität Bern. Der Betrag ergibt sich aus den «notwendigen Aufwendungen für eine Lehre von hoher Qualität pro Studentin oder Student, erweitert um einen für die Lehre notwendiger Anteil Forschungskosten»3.

Über ein Drittel Drittmittel

Das Einwerben von Drittmitteln gehört heute zum Forschungsalltag. Diese machten im Jahre 2025 knapp 38% des universitären Budgets aus. Grösster Geldgeber ist der Schweizerische Nationalfonds, er finanzierte letztes Jahr Berner Projekte im Rahmen von knapp 120 Millionen Franken. Der Bund beteiligt sich mit rund 30 Millionen ebenfalls an Forschungsprojekten, 25 Millionen stammen aus privaten Stiftungen und aus der Privatwirtschaft, 15 Millionen aus internationalen Fördergefässen.

Dienstleistungen als Ertragsfaktor

An den Kernauftrag der Universität– an die Lehre – bezahlen Studierende mit Studien- und Prüfungsgebühren rund 25 Millionen Franken. Kostenpflichtige Weiterbildungen spielen weitere 12 Millionen Franken ein.

Eine für die Vetsuisse-Fakultät nicht unwesentliche Einnahme- aber auch Kostenquelle ist die Erbringung ständiger Dienstleistungen, besonders in den Kliniken. Damit, aber auch mit Dienstleistungen anderer Einheiten (Inselspital ausgenommen) erwirtschaftet die gesamte Universität jährlich weitere77 Millionen Franken.

Drei Viertel sind Steuergelder

Zählt man zur direkten Finanzierung durch Bund und Kantone noch jene Drittmittel und Dienstleistungen dazu, die auch aus öffentlichen Geldern finanziert sind (SNF, Innosuisse), so ist die Universität Bern zu mehr als drei Vierteln aus Schweizer Steuergeldern finanziert. Lehre und Forschung sind damit freier, da sie nicht von Profitinteressen Privater abhängig sind. Und trotzdem nimmt der Staat sehr wohl Einfluss auf die Universitäten, auch in der Schweiz. Dies zeigt ein kurzer Blick in die Geschäftsdatenbank von National- und Ständerat: Vorstösse zur Gendermedizin, zur Wirkung von Pestiziden, zur Rüstungsforschung, zu Tierversuchen, zur Krebsforschung oder zur Agrarforschung versuchen die Verteilung von Forschungsgeldern zu lenken. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Kanton: Dort finden sich sogar Vorstösse zu einzelnen Lehrstühlen oder deren Besetzung.

Und trotzdem, Verhältnisse wie jüngst in den USA herrschen in der Schweiz nicht. Bedenkt man, dass allein die Universität Bern in einem Jahr öffentliche Gelder im Gegenwert von drei F35-Kampfjets erhält, so zieht sie im Vergleich kaum politische Aufmerksamkeit auf sich. In diesen Relationen gesehen darf man die Finanzierung der Universität trotz allen Herausforderungen als stabil und die politische Einflussnahme als klein bezeichnen.

Hohe Kosten pro Studienplatz
Die Kosten für ein komplettes Veterinärstudium liegen bei rund 480‘000 Franken, jene für ein komplettes Jus-Studium bei 50‘000 Franken4. Der Bildungsbericht 2026 führt diese Unterschiede zu einem grossen Teil auf das Betreuungsverhältnis zurück. Waren in den Rechtswissenschaften verteilt auf zehn Standorte knapp 17‘000 Studierende eingeschrieben, waren es in der Veterinärmedizin gerade einmal 1349 an zwei Standorten, die darüber hinaus auch in der klinischen Praxis ausgebildet werden müssen.

Kleiner Gestaltungsspielraum bei den Grundmitteln

Die knappe Berner Uni-Milliarde verteilt sich auf acht unterschiedlich grosse Fakultäten sowie auf die Leitung und den Zentralbereich. Die Vetsuisse-Fakultät in Bern verfügt jährlich über Mittel im Rahmen von 70-75 Millionen Franken. Je nach Jahr beschafft sie bis zur Hälfte davon selbst – über Dienstleistungen und Drittmittel. Die Fakultät erhält ein von der Universitätsleitung festgelegtes jährliches Budget von 40-45 Millionen Franken – diese Grundmittel fliessen in Form von Personalpunkten (siehe Kasten) sowie dem Betriebskredit grösstenteils weiter in die Departemente und deren Einheiten. Primäre Grundlage dafür sind die Strukturberichte, welche die Ausstattung der Lehrstühle mit dem Personal- und Betriebskredit festlegt. Diese Strukturberichte sind im Regelfall 5 Jahre gültig, nachher könnte bei der Verteilung der Kredite davon abgewichen werden – sowohl bei der Verteilung zwischen den Fakultäten aber auch innerhalb der Fakultät und der Departemente. In der Realität werden diese Ressourcen aber meist fortgeschrieben, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern. Als Folge ist der finanzielle Gestaltungsspielraum der strategischen Gremien eher klein, sei es im Senat, in der Universitätsleitung, im Fakultätskollegium bzw. dem Finanzausschuss, im Gremium des Departements oder bei den geschäftsführenden Direktor*innen der einzelnen Einheiten. Je nach Einheit machen diese Grundmittel zwischen 35% und 95% des Budgets aus.

Unterschiedliche Strukturen – unterschiedliche Finanzierung
Die Berner Fakultät ist vielfältig wie die föderale Schweiz – die kleinste Einheit umfasst gerade einmal 2,7 Vollzeitäquivalente (FTE), die grösste Einheit 32,5 FTE5. Die Vielfalt zeigt sich auch bei den Quellen der Finanzierung. Es gibt Einheiten, die zu 95% über Grundmittel und zu 5% über Drittmittel finanziert sind. Andere, dienstleistungsorientierte Einheiten, finanzieren sich zu 35% aus Grundmitteln und erwirtschaften weitere 65% mit Dienstleistungen. Der Gestaltungsspielraum der Dienstleistungseinheit muss jedoch nicht zwingend grösser sein: Zum Erwirtschaften dieser Dienstleistungseinnahmen ist Personal nötig, welches auch diese freieren Mittel längerfristig bindet. Dieses wirtschaftliche Denken hat die Universität vor einigen Jahren bewusst gefördert: Floss früher der grösste Anteil der Dienstleistungseinnahmen an die Universität, bleiben die Einnahmen – abgesehen von einem kleinen Overhead – heute bei den Einheiten. Im Gegenzug wurden die Personalpunkte entsprechend reduziert.

Grosser Gestaltungsspielraum bei Dienstleistungseinnahmen und freien Drittmitteln

Die Uni Bern unterscheidet zwei Arten Drittmittel: Es gibt zeitlich begrenzte sachbezogene finanzielle Mittel, bei welchen ein explizites Leistungsversprechen gegenüber einem Dritten besteht. Dazu gehören die klassischen, projektbezogenen Forschungsfördermittel. Interessant sind freie Drittmittel: Für diese ist kein explizierter Verwendungszweck definiert. Zu den freien Drittmitteln gehören Einnahmen aus den Dienstleistungen, jedoch auch aus angebotenen Weiterbildungen, Kongressen und Tagungen. Sie können grundsätzlich zur Finanzierung jeglicher Ausgaben verwendet werden, sofern diese einen sachlichen Zusammenhang mit den Aufgaben der Universität haben, der Rechnungslegung entsprechen und in deren Interesse liegen. Entscheiden darüber darf im Grundsatz der oder die Inhaber*in des Kredits. Die Mittel gehören jedoch der Universität – sie könnte sie im Extremfall zum Ausgleich von Unterdeckungen an anderen Orten einsetzen.

Personalpunkte – eine Spezialität der Uni Bern
Um den Planungs- und Budgetierungsprozess zu vereinfachen, verwendet die Universität Bern für grundmittelfinanzierte Stellen sogenannte Personalpunkte. Eine bestimmte Stelle «kostet» die Einheit immer gleich viele Punkte, sie kann diese dadurch unabhängig von finanziellen Überlegungen mit den besten Personen besetzen. Die Kosten für die Einheiten sind losgelöst von der Teuerung, von kantonalen Lohnmassnahmen oder von individuellen Lohnanstiegen und enthalten auch sämtliche Sozialabgaben. Jedoch nur für die Einheiten: Die Universität bezahlt die Löhne in harter Währung – sie muss Teuerung und Lohnmassnahmen zentral kalkulieren, was in den vergangenen Jahren zu einem Defizit geführt hat. Die Teuerung und die vom Kantonsparlament beschlossenen Lohnmassnahmen überstiegen das Wachstum bei den Einnahmen – die Universität musste ihre Reserven anzapfen.
Personalpunkte können auch aus einem Betriebskrediterworben werden. Der aktuelle Personalpunktewert liegt bei rund CHF 1500. Eine Tiermedizinische Praxisassistenz (TPA) ohne Spezialisierung kostet 60 Personalpunkte, eine ordentliche Professur 192 Personalpunkte. Darüber hinaus ist es den Einheiten freigestellt, mit Drittmitteln Personal ohne den Erwerb von Punkten einzustellen. Die Einheit bezahlt dann den Lohn und sämtliche Lohnnebenkosten direkt, für die Mitarbeitende hat dies keine finanziellen Konsequenzen.

Der Dienst an der Gesellschaft

Die Politik bestimmt den finanziellen Spielraum der Universität. Internationale Strömungen, das Verschieben von Prioritäten aufgrund äusserer Einflüsse aber auch gesellschaftliche Bedürfnisse können dazu führen, dass Gelder verschoben werden. Die Universität – und damit alle in Lehre, Forschung und Dienstleistung tätigen Universitätsangehörigen – tun gut daran, der Gesellschaft, und damit den Wähler*innen, den Politiker*innen und den Steuerzahler*innen dankbar zu sein und im Gegenzug immer wieder ihren unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt von Gesundheit und Wohlergehen von Mensch, Tier und Umwelt aufzuzeigen.

  1 Jahresbericht 2025, Universität Bern
2 Kalkulatorische Infrastrukturkosten gemäss Schweizerisches Hochschulinformationssystem, Bundesamt für Statistik
3 Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz, HFKG
4 Bildungsbericht 2026, Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung
5 Selbstevaluationsbericht Externe Forschungsevaluation 2025, Vetsuisse-Fakultät

 

VetsuisseNews

Dieser Artikel erschien im Original in der VetsuisseNews 2/26.

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